Ein Spieler packt aus

(Hintergründe aus der Crocketszene)

Hier ist noch mal - ungekürzt - die legendäre "Beichte" (bei Johannes B. Kerner im März 2001) des Topathleten Dr. Suppe abgedruckt. Viele Zuschauer werden nie vergessen, wie der Moderator Kerner minutenlang schwieg und nur zuhörte. Einem Mann, einem Menschen zuhörte, den wir bisher "nur" als besten deutschen Kroquetspieler, der schon mal nackt spielte, kannten. Leistungsverbissen, erfolgsbegierig und nervenstark bis zur Unerträglichkeit. An diesem Abend lernten wir die andere Seite kennen......

Nacktschlag "Bei diesen extremen Belastungen, die dieser Sport mit sich bringt; der Druck, der heutzutage vom Umfeld und den Medien ausgeht - das ist ja Wahnsinn - bei diesen Belastungen ist es für uns Spitzensportler wichtig, sich freizumachen; freizumachen von allem Ballast, der einem bei der Ausübung dieser Sportart behindern könnte. Deshalb entkleide ich mich vor wichtigen Schlägen auch vollkommen. Viele Kritiker sagen ja, ich spiele nackt. Das kann man so sehen, ist mir auch egal - ist mir sogar scheißegal - ich sage jedenfalls, ich spiele nicht nackt, ich spiele unbekleidet. Außerdem brauche ich für mein äußeres Gleichgewicht in der Konzentrationsphase kurz vor Ausführung des Schlages ein meditatives Pendel. Ich kann mich da in so eine Art Trancezustand versetzen, der mich zu Topleistungen befähigt. Aber dieser ständige Druck, da mußt du erst lernen mit umzugehen. Angefangen hat das 1994 bei der WM in Chile, da war das erste Mal dieser ganz große Druck. War plötzlich da. Wir haben schon geschwitzt, nur weil es so heiß war, schon damals wollte ich unbekleidet, also nicht nackt, spielen. Aber was soll`s. Viele Spitzenspieler dopen deshalb auch - gerade bei Turnieren mit hoher Leistungsdichte. Unerlaubte Präparate wie- ich sag mal - Zötler - Gold, Meckatzer - Weisse oder Paulaner Hefeweizen, das kennt glaube ich jeder, brauch ich nix zu sagen, liegen teilweise offen neben dem Spielfeld, ja teilweise auf dem Spielfeld, rum.

Dr. Suppe in ChileIch kenne Sportler, sogar welche die ganz vorne in der Weltspitze mit dabei sind, die haben durch jahrelangen Umgang mit dem Zeug körperliche Veränderungen durchgemacht. Am Bauch, sie wissen schon Herr Kerner. Ich war mal auf einer Party, da war der Dings, der Töpperwien, der mit dem Brandunfall, ja auch kein Kind von Traurigkeit, der war fassungslos, der wollte nur noch raus, der hat geheult wie ein Kind wegen der Zustände bei den Chill-Out-Partys der deutschen Croquetszene. Ein Spieler, der jetzt im Ausland spielt, in Österreich - mehr sage ich jetzt nicht - lebt aber an der Grenze in Lindau, bei dem ist es sogar soweit, dass er sagt, zu mir persönlich, also, weißt du, wegen dem Kroquet komme ich eigentlich gar nicht in erster Linie, ich fahre hauptsächlich wegen dem Bier hierher. Aber das sind die Konsequenzen, verursacht durch diesen immensen Druck der Medien, aber gut, wir werden gut bezahlt, das ist der Preis, den wir alle bezahlen müssen. Aber bei unserer Presselandschaft gibt es ja nix zwischendrin, entweder sie feiern dich, dann kannste saufen soviel du willst, du tust es ja für die Leute - ja - ich will es so sagen - du tust es für Deutschland . Aber wehe, du versagst vor dem Bergziegentor oder du verstolperst eine Hausfrauenschlag - ja, da ist doch Wahnsinn. Junge Spieler halten das gar nicht aus. Man sieht das ja am Nachwuchs. Bei den wichtigen Turnieren im Sommer sind doch keine deutschen Spieler von Weltrang unter dreißig dabei. Die ganzen Top Leute, die ein Spiel noch rumreißen können, Reicherzer, Liebhäuser, Loeprecht, Benedicter, bei diesen Namen zittert immer noch die ganze Croquet - Welt. Auch Nachwuchsleute wie Lutscher, Renner, Killisperger und so - letztlich auch schon alte Säcke, die Dank, Routine, Technik und Genius einem Spiel dem Stempel aufrücken können. Von den jungen reißt doch heute keine mehr Bäume aus - fast keiner mehr. Aber bei dem Druck der Medien heutzutage ist das ja auch kein Wunder.

Dr. Suppe in SenegalBei den olympischen Winterspielen in Senegal, das war auch 1994, glaube ich - wir holten Silber -, da spielten wir quasi unter Ausschluß der Öffentlichkeit - nix Presse, nix Fernsehen, kein Druck. Aber die jungen Spieler wollen sich auch nicht mehr quälen...früher übten wir sogar - ich weiß es noch der Reicherzer und ich - stundenlang vor einem Turnier, jaha, wir übten Krogget richtig auszusprechen, weil wir es nicht falsch aussprechen wollten - vor all den Stars aus Südamerika - den Pilota de Pollio zum Beispiel, die Hühnerkugel aus Chile, ja wir übten die richtige Aussprache von Croquet, weil unser damaliger Jugendnationltrainer Jürgen Fliege, dieses Arschloch, wie ich heute ganz unverblümt sage, ehrlich, ich sage es nochmal, Jürgen Fliege, dieses arschverfickte Arschloch, uns im Trainingslager im Jahr 1981 in Otting bei Donauwörth immer zwang das Gras, das Rough quasi, wie Ziegen abzuweiden, er schlug uns mit den Croquetschlägern und zwang uns das Gras zu fressen auffem Spielfeld. Wegen der Aggressivität auf dem Platz hat er immer gesagt, aber gut, er war halt ein Schleifer, charakterlich noch mehr Scheisse als Vera von "Vera am Mittag", was wollte ich eigentlich noch mal sagen, achso, die Aussprache.

Krokkett, also, wir Profis sprechen ja Krokket so aus wie die in Mittel- und Norschwaben beliebte Sättigungbeilage Krokette, das ist so ein in Fett ausgebackenes Kartoffelbrei - Sprutzelchen, nur ohne "e" am Schluß. Und der Schläger heißt ja Krokketsportsgerät. Das ist verdammt Scheisse zum aussprechen. Wir haben uns das in der Jugend immer so gemerkt: Sportsgerät sprechen wir wie "Sportsgayräht" aus. Die HausfrauentechnikDen Wortteil Gayräht übten wir so: Also am besten, indem man das iostonische Sportsgetränk "Gatorade" vor sich hinspricht und die Silbe "to" aus Gatorade einfach wegläßt. Das ganze dann so: 1.Silbe:Sports ,ganz normal, also und 2. Silbe "ge" wie das englische "gay" und die 3. Silbe "rät" wie man`s spricht - nur länger. Aber in der heutigen Medienwelt und dem ganzen Umfeld ist das ja nicht mehr wichtig, da ist ein anderer Druck da, ein enormer Druck, das ist schon Wahnsinn, da stehst du am Bergziegentor und überlegst Treibschlag oder Hausfrauentechnik, da mußt du in Bruchteilen von Sekunden entscheiden, da geht's ja um Millionen, da ist ja Wahnsinn, aber wenn du an dich glaubst, ist es egal, dann machst du es fast immer richtig, instinktiv . Trotz des immensen Drucks, gerade bei uns in Deutschland....."