International Extreme Croquet Tournament 22.-24.07.2016

PlazierungSpielerPunkteTurnier 2016 (Easy war gerade beschäftigt)
Bild: Turnier 2016
1. Foffi 76
2. Lu 64
3. Bene 59
4. Steckerl 54
5. Helmet 53
6. Tom 47
6. Malte 47
8. Hansi 46
9. Marc 49
9. Dr. Suppe 49
11. Migo 43
12. Bernhard 42
12. Kurt 42
14. Killian 38
15. Killi 37
16. Easy 36

Extreme Croquet: Quo vadis?

Eine Vorzeigedisziplin kommt in die Jahre

08.01.2017 Sportredaktion Bamberg | Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt gingen bereits im Juli die German Open im Extrem Croquet über die Bühne. In den meisten Sportredaktionen diente die Angelegenheit nicht einmal mehr einer Randnotiz. Und auch meine Person hat lange gezögert diesen Bericht vorzulegen. Kommt er nicht einem Dolchstoß dieser dem Untergang geweihten Sportart gleich? Die schillernden Jahre des Extreme Croquet sind eindeutig vorbei. In den 80er und 90er Jahren stand der Nachwuchs noch Schlange, bettelte um eine „Wild Card“ und betrachtete den Sport ehrfurchtsvoll auf Augenhöhe mit anderen entbehrungsreichen Herausforderungen wie „Paris-Dakar“ oder dem damals noch jungen „Iron man“ auf Hawai. Die Sportler waren jung, athletisch durchtrainiert und bewiesen die Schlagkraft ihrer naturgestählten Körper in extremen Outdoor Situationen. Einige Sportfunktionäre sahen Extreme Croquet bereits olympisch. Auch die Sportindustrie ließ nicht lange auf sich warten. In Donauwörth und München entstanden eindrucksvolle Racket Manufakturen, in denen handgefertigte, exakt austarierte Schläger reißenden Absatz fanden. Und heute? Die Industrie und der Nachwuchs haben sich weitgehend aus der Sportart zurückgezogen. Nur durch den Einsatz eines idealistischen Mäzens aus der Autoindustrie (Loeprecht Group) konnten die German Open noch einmal realisiert werden. Aus Mangel an sportlichem Nachwuchs mussten in die Jahre gekommene Stars der Szene wie Mayer, Reicherzer oder der sehbehinderte Killisperger noch einmal zum Turnierstart überredet werden. Altstars wie Lu oder Bernhard konnten nur mit vollmundigen Versprechungen von ihrer schottischen Whiskeyfarm zur German Open gelockt werden. Viele Zugeständnisse wurden an das ehemals unbestechliche Regelwerk gemacht. Freie entbehrungsreiche Natur? Weit gefehlt! Verschämt hatte sich die Sportlerszene diesmal ins oberpfälzisch-tschechische Hinterland zurückgezogen. Die Tagesparcours wurden rund um eine Wellness-Oase gesteckt. Den Saunabereich versuchte man geschickt im hinteren Bereich der Sportanlage zu verbergen. Einige Münchner Sportskameraden versuchten noch direkt am Turniereingang mit zwei Alibi Zelten der Pressewelt eine heile Croquet Welt vorzugaukeln. Vergebens. Die Anreise des Roten Sterne Kochs Easyman aus Berlin mit seinem Kräuterkoffer versuchte man dann erst gar nicht mehr zu verbergen. Dass das von ihm geplante Pilzragout am dritten Turniertag letztlich doch ausfallen musste, lag keinesfalls an einer Rückbesinnung auf das harte „Brot der frühen Tage“. Sabotage hatte schlichtweg dem Turnier zugesetzt. Auf bisher ungeklärte Weise waren die eigens im angrenzenden Erholungswald gezüchteten Pilze über Nacht abhanden gekommen.

Und das sportliche Niveau? Der Ehrgeiz der frühen Jahre? Geschenkt! Lustlos wurden die Bälle hin und hergeschoben. Manch einer legte während der Schlagausführung nicht einmal mehr die Bierflasche aus der Hand. Die Ergebnisse und Platzierungen? Belanglos und von Jahr zu Jahr beliebiger. Von konstanter Spielstärke oder gar einer verlässlichen Rangliste kann keine Rede mehr sein. Ein ehemaliger Hattricker und Favorit wie Liebhäuser wird da halt einfach mal durchgereicht. Und ein bisheriger Handtuchreicher, wie der seit Jahren glück- und erfolglose Lu, wundert sich plötzlich über einen zweiten Platz auf dem Podest. Kurz gesagt - der Sport steckt in einer tiefen Krise. Immerhin: ein fränkischer Newcomer (Kilian) mit 18 Jahren war diesmal überraschend zum Turnier angereist und belegte einen hoffnungsvollen 14. Rang. Und Turniersieger Foffi Traumann (ebenfalls aus Franken!) versprach Besserung und ein neues Konzept für die Neuauflage des Turniers 2017. Liegt die Zukunft des Sports also in Franken? Man wird sehen.